Wie Sie erfolgreich Gespräche mit Ihren Kindern verhindern.

Mareikes Mutter Sarah bemüht sich intensiv um ihre Tochter. Jeden Mittag fragt sie das Mädchen, wie es in der Schule war und ob sie ihr nicht etwas erzählen möchte. Mareike schweigt hartnäckig. „Ich weiß nicht,“ klagt Sarah „ jetzt bemühe ich mich schon so sehr und dennoch will Mareike partout nichts erzählen! Stattdessen wird sie immer schweigsamer!“ In der Beratung nachgefragt, erzählt Sarah eine typische Situation. Das Mädchen hat sich in der Schule mit ihrer besten Freundin Klara gestritten. Hier ein Dialog, so wie er zwischen Mutter und Tochter hätte ablaufen können:

 

Sarah: „Hallo Schatz! Na, wie war es heute!“hochbegabtes Kind

Mareike: „Hmhh..“

Sarah: „Ich seh doch, dass dich etwas bedrückt. Was ist es denn?“

Mareike: „Ich hasse die Klara!“

Sarah: „Hast du dich mit Klara gestritten?“

Mareike: „Ja, die blöden Jungs haben mich geärgert und Klara hat gar nichts gemacht, sondern ist einfach in die Klasse gegangen, sodass ich ganz alleine mit den Jungs war! Diese Pute! Und nachher erzählt sich auch noch, dass sie es nicht gesehen hat. Ich habe es doch genau gemerkt! Sie hat mich im Stich gelassen. Mit der red ich nie wieder!“

Sarah: „Aber Mareike! Wenn Klara gesagt hat, dass sie nichts gesehen hat, dann war das sicher auch so. Klara ist doch Deine beste Freundin! Wegen so etwas wirft man doch eine Freundschaft nicht gleich weg. Das war doch nur ein Missverständnis! Ich bin mir sicher, dass ihr euch morgen schon wieder vertragt. Komm mein Schatz! Ich habe dein Lieblingsessen gemacht! Setzt Dich jetzt zum Tisch.“

Mareike: „Du bist genauso doof wie sie! Ich will Euch alle nicht mehr sehen!!!“

 

Mit einem Türknallen verschwindet Mareike in ihrem Zimmer.

 

Sarah kennt sich nicht aus. Dabei wollte sie ihre Tochter doch nur trösten und dann reagiert diese so zickig. Doch was ist passiert? Unbewusst hat Sarah Kommunikationskiller eingesetzt.

 

Sie hatte den Wunsch Mareike zu helfen und deren schlechte Laune zu vertreiben. Statt zuzuhören und Mareike ihn ihrer Wut ernst zu nehmen, versucht Sarah Mareikes Schmerz zu relativieren. „Das ist doch nicht so schlimm, deswegen wirft man doch eine so gute Freundschaft nicht weg!“ Für Mareike war es aber genau so schlimm und sie fühlt sich in diesem Moment durch Klaras Verhalten so verraten, dass sie nicht an ihrer Freundschaft mir Klara festhalten möchte. Dadurch, dass ihre Mutter sie in ihrem Schmerz nicht ernst nimmt, sondern versucht in guter Absicht darüber hinwegzuhelfen, fühlt sie sich nicht nur von ihrer Freundin verraten, sondern von ihrer Mutter zusätzlich nicht verstanden.

 

Wir geraten immer wieder im täglichen Miteinander in Situationen, in denen wir bewusst oder unbewusst Kommunikationskiller einsetzen.

 

In der obigen Geschichte haben wir den Kommunikationskiller „BESCHWICHTIGEN“ kennengelernt. „Aber, das ist doch nicht so schlimm.“ „Komm, deswegen muss man doch nicht weinen.“ Dadurch, dass das Kind sich in seinem subjektiv erlebten Problem nicht ernst genommen fühlt, wird das Vertrauen zum Erwachsenen gestört. Das Kind zieht sich zurück oder wird zornig oder ausfällig.

 

Ich möchte Ihnen heute ein paar weitere Kommunikationskiller, die das Verhältnis von Kindern zu ihren Eltern nachhaltig beeinträchtigen, vorstellen. Sie kommen uns schnell und zumeist unbemerkt über die Lippen. Darauf zu achten, wie wir mit unseren Kindern sprechen, lohnt sich jedoch. Unsere Kinder danken es uns mit ihrer Liebe und ihrem Verhalten.

 

 „VERALLGEMEINERUNGEN oder PAUSCHALURTEILE“

Bsp: „Du hörst mir nie zu!“ „Ihr helft nie mit!“ „Immer musst Du so schmatzen.“
Wirkung: Das Kind fühlt sich nicht persönlich angesprochen. Was auch immer es tut, es kann diese Situation ohnehin nicht ändern. Häufig endet dieser Kommunikationskiller in einer selbsterfüllenden Prophezeiung.

 

„PÄDAGOGISCHER ZEIGEFINGER“
Bsp: „Ich habe Dir doch gleich gesagt, dass Du Dir weh tust, wenn Du so schnell läufst!“
Wirkung: Dem Kind wird die Kompetenz abgesprochen, alleine auf Lösungen zu kommen und empfindet sich dadurch nicht als gleichwürdig und herabgesetzt.

 

„SARKASMUS“
Bsp: „Ich finde es wirklich super, wenn ich Hürdenlauf über Deine Klamotten, die am Boden herumliegen, machen darf.“
Wirkung: Jüngere Kinder können die Botschaft dahinter häufig nicht verstehen. Ältere Kinder fühlen sich dadurch herabgesetzt, verspottet und bloßgestellt.

 

Eine wertschätzende Kommunikation ist die Basis, um ein gutes Verhältnis zu unseren Kindern zu erhalten! Ich unterstütze Sie in meinem Kommunikationstraining (Do. 7.3.13) mit Hilfe vieler praktischer Beispiele dabei.

 

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